| 29. Mai 2009
Dieses Mitteilungsblatt gibt es auch in Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Arabisch und Hebräisch.
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Zur Einführung
Die Free Gaza Bewegung [http://www.freegaza.org] ist eine Gruppe von Menschenrechtsaktivisten, die im August 2008 nach 41 Jahren Isolierung internationale Boote in den Hafen von Gaza einlaufen ließ.
Wir sind jetzt dabei, eine neue Expedition vorzubereiten, um die unter der israelischen Belagerung leidende Bevölkerung von Gaza zu unterstützen.
Eindrücke über die derzeitige Situation in Gaza vermittelt eine Video-Serie, die in Englisch Französisch und Italienisch zu sehen ist:
http://freegaza.org/en/links-a-gaza-info/videos
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Reflektionen über den Verlust der Dignity
Ramzi Kysia
Am Morgen des 4. Mai 2009 ging das Flaggschiff der Free Gaza Bewegung - die Dignity - in einem Außengelände des Hafens von Larnaca verloren. Im Sturm war sie gegen eine Mauer des Jachthafens geworfen worden und hatte sich ein großes Loch im Heck der Steuerbordseite zugezogen. Während versucht wurde, sie in Sicherheit zu ziehen, nahm sie mehr Wasser auf, als ihre Wasserpumpen verarbeiten konnten und sie versank ins Meer.
Derek Graham, Free Gaza Organisator und Bestmann an Bord der Dignity, bemühte sich nach allen Kräften, sie zu retten, aber schließlich war Mutter Natur mächtiger. „Alles, was ich machen konnte, war zuzusehen", bemerkte Derek nach dem Verlust. „Sie war ein starkes Boot und kämpfte hart. Sie tat, was man von ihr erwartete. Während ich zusah, ächzte sie, und schrie und kämpfte, um auf dem Wasser zu bleiben. Mit einem letzten lauten Schrei fiel das Ruderhaus zusammen und die Flybridge brach aus dem Bootskörper - dann wurde es still."
Sechs Monate lang hat die Dignity Drohungen und Einschüchterungen von einem der militärisch mächtigsten Staaten der Welt widerstanden. Im Dezember überstand sie einen beabsichtigten Versuch, sie zu versenken, als ein israelisches Kanonenboot drei Mal ihre Backbordseite rammte. Sie war auf dem Weg, Ärzte und medizinische Notfallversorgung in das belagerte und kriegszerstörte Gaza zu bringen. Sie hielt Stand, als sie das Mittelmeer bei vier Gelegenheiten durchkreuzte, um Tonnen dringendst benötigter Ware, sowie Dutzende von Menschenrechtsarbeiten, Ärzte, Journalisten und Parlamentarier nach Gaza zu bringen.
Die Dignity war mehr als Holz und Stahl. Für diejenigen von uns, die sie liebten, auf ihr reisten, sie beschützten, war sie wirklich etwas Besonderes. Sie war die Freude, dass Internationale wie Palästinenser schließlich Gaza betreten und wieder verlassen konnten, frei von israelischer Kontrolle und Einschüchterung. Ihre Reisen waren ein Ruf an eine gleichgültige Welt und eine Hoffnung, dass ein belagertes Gaza eines Tages für Besucher und Handel frei sein würde - wie jeder andere Hafen des Mittelmeers.
Wie Greta Berlin, Mitbegründerin der Free Gaza Bewegung zum Verlust der Dignity sagte, „im Ende schließlich war die Dignity ein Boot, das hielt, was sein Name versprach.
Sie wird sehr vermisst werden.
Ewa Jasiewicz und Caoimhe Butterly auf Vortragsreise in Europa
Ewa und Caoimhe, unsere beiden Free Gaza Koordinatoren, die in Gaza mit unter der Bevölkerung gelebt und gearbeitet haben, befinden sich zurzeit auf einer Vortragsreise in Europa, um einen Einblick in die derzeitige Lage in Gaza zu geben. Als Augenzeugen werden sie auch von den Massakern im Dezember und Januar berichten. Auch sind sie darum bemüht, Verbindungen zu verschiedenen Gruppierungen in Gaza herzustellen. Solche „Solidarätsverbindungen" können z. Bsp. aus Schulen, Sanitätern, Erziehern, Gewerkschaftlern bestehen.
Ewa und Caoime wollen eine Brücke bilden, um direkte Verbindungen zwischen Schulen, Sanitätern, Universitäten und anderen Einrichtungen zu ermöglichen. Sie hoffen, bei ihrer Rückkehr nach Gaza nächsten Monat dieses Vorhaben umsetzen zu können. Beide berichten, dass eines der wichtigsten Dinge sei, dem Gefühl totaler Isolierung, das so viele Menschen in Gaza befallen hat, entgegenzuwirken - und Solidaritätsverbindungen sind ein direkter Weg, die Belagerung Gazas anzufechten. Ein Ausschnitt eines Vortrags von Caoimhe befindet sich auf unserer Website
Zur derzeitigen Situation in Gaza
Vittorio Arrigoni
Hier in Rafah wird kein „Blei" mehr gegossen, doch werden wir immer noch regelmäßig getroffen. Die Tunnel von Rafah (die einzige Möglichkeit für die Bevölkerung, die Gefangene einer unbarmherzigen Belagerung sind, Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände für das tägliche Leben zu erhalten) werden von Zeit zu Zeit von Bomben getroffen. Die Arbeiter, die sie begraben, sind Opfer wie die Bauern und Arbeiter der Landwirtschaft, die täglich von israelischen Heckenschützen getroffen werden, während sie ihr Land nahe der Grenze bearbeiten.
Früh am Morgen bin ich hier, gegenüber dem Hafen, von Artillerieschüssen geweckt worden. Israelische Marine feuerte gegen eine Gruppe noch berbliebener Fischerboote, um sie daran zu hindern, eine beschränkte Meilenzone entlang ihrer eigenen Küstenlinie zu überschreiten. Und hier ist wirklich nur noch wenig vom Fischbestand übriggeblieben. Das Wasser ist aufgrund der Wasserverschmutzung und durch die Überfischung [auf eingeschränktem Raum] unergiebig. Während der letzten zwei Monate sind ein Dutzend Fischer gekidnapt worden. Sie wurden nach Israel gebracht und ihre Boote wurden beschlagnahmt, weil sie sich weiter als 2,5 km von der Küstenlinie entfernt hatten.
Auf dem Meer zu fischen, bedeutet ein hohes Risiko einzugehen , auf der Suche nach Nahrung getötet zu werden. Ähnlich ergeht es den Farmern auf dem Land. Überleben ist nicht leicht, auch im Osten von Khan Younis nehmen israelische Übergriffe zu. Und wenn das Schießen auf unbewaffnete Zivilisten nicht reicht, tut die Pyromanie ihren Dienst: palästinensische Kornfelder entlang der Grenze, deren Ernte das einzige Einkommen für Hunderte von Familien ist, werden in Brand gesteckt.
Während des letzten Massakers sind 21.000 Gebäude zerstört oder durch israelische Bomben beschädigt worden. 100.000 Palästinenser sind ohne Heim und Haus, - eine Situation, die an die Nakba von 1948 erinnert.
Der Wiederaufbau erhält noch nicht einmal eine Chance, da es verboten ist, Zement und anderes Baumaterial zu importieren. Israelische Funktionäre sagen, diese notwendig gebrauchten Güter würden benutzt, um Tunnel zu bauen. Die Meinung widerspricht dem offensichtlichen Wunsch in Gaza, wiederaufzubauen und den Kindern ein Leben zu ermöglichen.
Ähnlich können die meisten Güter nicht nach Gaza importiert werden. Israel hat eine Liste von 40 verschiedenen Gütern genehmigt, eine immense Verminderung im Vergleich zu den 3000-4000 verschiedenen Gütern vor der Belagerung. An den Ecken der Straßen kann man gewöhnlich viele Kinder sehen. In schmutzigen Lumpen gekleidet, versuchen sie mit dem Verkauf von Petersilie oder Minze ein wenig Umsatz zu machen. Wer weiß, was ihren Familien während des Massakers geschehen ist?
Zu einer harten Strafe verurteilt für das Vergehen, sich nicht einem übermäßig bewaffnetem Unterdrücker zu beugen, isoliert, und von der Weltpolitik vernachlässigt, leisten Palästinenser seit 61 Jahren Widerstand.
Jenseits des Horizonts blickend, hier am Hafen, freue ich mich auf die Gruppe von Menschen, die sich für Frieden und Menschenrecht einsetzt und die versucht, uns hier mit einer mutigen Flotte, beladen mit Empathie, zu erreichen.
Ein weiterer Beitrag zur Situation in Gaza (von Natalie Abou Shakra) befindet sich auf folgender website:
http://www.freegaza.org/en/home/56-news/884-current-situation-in-gaza
Hope Fleet
Greta Berlin
Als die Dignity sank, waren viele unserer Unterstützer besorgt, dass unser Flaggschiff auch unsere Hoffnungen, unsere Reisen nach Gaza fortsetzen zu können, hätte sinken lassen. Zwei Tage bevor das Boot aufschrie und im Wasser versank, hielten zwei Israelis unseren Bestmann, Derek Graham, an und sagten, sie möchten die Dignity sinken sehen. Viele von euch haben uns ihre Überzeugung mitgeteilt, dass das „Sinken der Dignity" in Absicht geschehen wäre. Sie meinten darin eine Handlung von Menschen zu sehen, in Alarm gesetzt, dass unsere geringen Beiträge zum Widerstand möglicherweise den Beginn einer Wende in der öffentlichen Meinung zur israelischen Aggression darstellen könnten.
Niemand von unser Arbeitsgruppe hier in Zypern kann mit Sicherheit sagen, was wirklich geschah, außer dass ein Boot verloren ging. Aber jeder von uns, die wir seit drei Jahren an diesem Projekt arbeiten, wird versprechen, die Bootsaktion nach Gaza nicht abzubrechen.
Wir werden vielleicht unseren Plan etwas verschieben müssen, bis wir einen Ersatz gefunden haben, aber wir werden uns nicht abschrecken lassen. Die vorbereitende Gruppe ist gerade dabei, mögliche Zeitdaten für unsere zwei verbliebenen Boote im Juni auszumachen, eventuell auch für ein weiteres Passagier- oder Cargoboot, wenn uns eine Anschaffung noch rechtzeitig möglich ist. Wir glauben, dass wir in Kürze eine genaue Zeitangabe ankündigen können. Wovon ist dieses Datum abhängig? Wie viele Passagiere können mitreisen? Wer sind die Personen von hohem Rang, die bereit sind, auf Booten, ohne den Komfort der Dignity, aber dennoch seetüchtig, an Bord zu gehen? Und schließlich, zu welcher Aussage entschließen wir uns, was wollen wir einer Welt sagen, die sich von den Palästinensern abgewandt hat, die sich beschämend verhält gegenüber den letzten Opfern des zweiten Weltkriegs? Dies sind alles Fragen, denen wir uns in diesem Sommer widmen werden.
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