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17. September 2008
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News
Vittorio Arrigoni 17.09.2008
Für einen Russen
ist Terrorismus ein tschetschenischer Kamikaze, der sich in einem Moskauer Theater in die Luft sprengt.
Für einen Bürger in Grozny
ist Terrorismus das russische Militär, das seine Stadt dem Erdboden gleichgemacht hat.
Für einen amerikanischen Soldaten, der in Afghanistan stationiert ist,
ist Terrorismus der Mujaheddin, der sich vor der amerikanischen Kaserne mit einer Autobombe in die Luft sprengt.
Für die Menschen die in Afghanistan an der Grenze zu Pakistan leben,
ist Terrorismus die NATO Bomben, die aus einer Entfernung von 10.000 Metern auf eine Hochzeitsgesellschaft fallen und Dutzende von Zivilisten in Stücke reissen.
Für einen europäischen Touristen, der seinen Urlaub in Scharm El-Sheikh verbringt,
ist Terrorismus der Anschlag auf eine Ferienanlage.
Für einen Ägypter, der in einem staubigen Dorf in der Wüste und wenige nur wenige Kilometer entfernt von diesem künstlichen Ferienparadies lebt,
ist Terrorismus, eine Regierung zu sehen, die ihre diktatorische Macht mit Milliarden von Euros aus der Tourismusbranche füttert, während seine Kinder verhungern.
Wie wir sehen, ist es ziemlich kompliziert eine klare und eindeutige Definition zu finden, was Terrorismus ist; die Frage an sich ist so kontrovers und die Antwort hängt ausschliesslich davon ab, von welcher Seite aus wir das Blutvergiessen betrachten und auf welcher Seite Familie und Freunde unter den Opfern sind.
Vor ein paar Tagen haben wir wieder die Opfer des 9. September betrauert, ein Trauertag für die ganze Menschheit, nicht nur für die New Yorker Bürger oder für die Chilenen, die auf Tausende Tote und Verschwundene nach dem Pinochet Putsch blicken.
Ich frage mich allerdings, wieviele weitere 11. September sich täglich auf der Welt und hier in Gaza ereignen, wo 1 ½ Millionen Unschuldige langsam sterben, eingeschlossen in das grösste Open-Air Gefängnis, das je gebaut wurde.
Das Video, das ich Euch bitte, weiter zu verschicken wie das vorige, ist ein greifbares Beispiel für Terrorismus, der sich täglich vor der Küste von Gaza abspielt.
Ein klarer und gezielter Terrorismus, der keinen Widerspruch, keine Unsicherheit in seiner Definition duldet, Terrorismus made in Israel.
Vor ein paar Tagen haben sie teuer bezahlen müssen, die Fischer, die wir oft aufs Meer hinausbegleiten, dorthin wo die Gewässer ein grosszügigeres Angebot an Fisch bieten.
Am Montag, den 10. September, ca. 17 Uhr, weniger als 6 Meilen vor der Küste von Gaza, in palästinensischen Gewässern, wurde einer unserer Fischerboote absichtlich und in voller Fahrt von einem israelischen Kriegsschiff gerammt. An diesem Tag waren keine internationalen Aktivisten an Bord.
Der Aufprall war vernichtend für das fragile palästinensische Fischerboot (wie die Schäden im Film dokumentieren), das israelische Kriegsschiff hat das Fischerboot seitlich gerammt, ist praktisch darüberweggefahren und auf der anderen Seite wieder in See gestochen.
Am Bug sind im Holz deutlich die Eindrücke der Turbinen des Motors des israelischen Schiffes zu sehen.
Glücklicherweise war das Fischerboot gerade am Fischen, und daher in einer stabilen und sicheren Position im Wasser, sonst wäre es gekippt und hätte die Besatzung in den Tod gerissen.
Durch noch mehr Glück befand sich die Besatzung gerade auf achtern und kochte das Abendessen, das das Fasten im Ramadan um ca. 18 Uhr brechen sollte.
Unglücklicherweise jedoch beläuft sich der Schaden für den Besitzer des Fischerbootes auf mehr als 50.000 US$, und eine schnelle Reparatur ist schon daher unmöglich, weil im besetzten Gaza keine notwendigen Materialien zu finden sind.
Der einzige Verletzte in dieser verrückten terroristischen Attacke, nach militärischen Quellen in Tel Aviv, ist ausgerechnet ein israelischer Soldat. Dieses Selbstmord-Manöver des Kriegsschiffes hat also auch das Leben der eigenen Besatzung aufs Spiel gesetzt.
Die palästinensischen Fischer fahren aufs Meer hinaus, um die Lebensgrundlage für ihre Familien zu schaffen. Sie sind täglich den israelischen Angriffen ausgesetzt, gegen alle internationalen Rechte und gegen alle Menschenrechte zwingt sie die kollektive Strafe dazu, innerhalb einer Zone von 6 Meilen zu fischen, und oft ist diese Zone nur auf 3 Meilen vor der Küste limitiert.
Unsere internationale Präsenz, ausgerüstet mit Videokameras, dienen als Abschreckungsmittel gegen diese täglichen Verbrechen und gegen den israelischen Terrorismus.
Der Kapitän eines Bootes sagte mir, dass er über Funk von einem israelischen Kriegsschiff kontaktiert und auf Hebräisch bedroht wurde: "Wenn die Internationalen Gaza verlassen haben, wird unsere Rache fürchterlich sein".
Es ist daher überlebenswichtig für diese unschuldigen Menschen, dass eine Gruppe Internationaler permanent hier in Gaza vor Ort sein kann.
Ich lade alle europäischen und amerikanischen Bürger ein, hierherzukommen, um aktiv am Schutz der Menschenrechte teilzunehmen, und sich uns ISM Aktivisten anzuschliessen im Kampf gegen Verbrechen und gegen den israelischen Terrorismus, und im Kampf für die Menschlichkeit.
Bleibt menschlich.
Vik aus Gaza
Vittorio Arrigoni
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(Original-Titel: Che cos'è il terrorismo? Übersetzung: Sabine Stöhr)
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